Andelsbuch Manch einer wird sich noch an seine Sprünge über die Weltcup-Schanzen erinnern können: an jene des Andelsbuchers Bernhard Metzler (40). Er gehörte zum fixen ÖSV-Aufgebot: Von 1999 weg, als er im tschechischen Harrachov über die Großschanze segelte, bis ins Jahr 2004, als er seine aktive Laufbahn mit einem Sprung in Vikersund beendete. Damals war er erst 24 Jahre alt. Jetzt, 15 Jahre später, ist Metzler wieder voll dabei im Skisprung-Zirkus, als einer der Trainer der Mannschaft des Deutschen Skiverbandes.

Er stand vor einer schwierigen Entscheidung, als er zum letzten Mal einen Wettkampf absolvierte. Sollte er sich an einem Studium versuchen oder es doch wagen, in irgendeiner Form an die Schanzen der Welt zurückzukehren? Nachdem er nebenher aus eigenem Interesse bereits die Ausbildung zum Skisprung-Lehrwart absolvierte, flatterte ihm ein Angebot des Skiclubs Partenkirchen ins Haus, welches er direkt annahm. Heute würde er das nochmals genauso machen, denn „ich hab die Zeit in Partenkirchen vor allem deswegen genossen, weil ich die Möglichkeit bekam, herauszufinden, was mich interessiert“, wie der Bregenzerwälder selbst sagt.

 

Dem Ruf aus Deutschland gefolgt

Nach drei Jahren als hauptamtlicher Vereinstrainer folgte der Wechsel zum nationalen Verband, wo er jede Station durchlief. Zunächst leitete er für fünf Jahre den C-Kader, ehe er dieselbe Aufgabe in der zweiten Mannschaft übernahm.

Dann folgte in der ersten Nationalmannschaft eine große Personalrochade, aus der sich auch ein neuer Bundestrainer – Stefan Horngacher (50) – hervortat. Dadurch ergab sich für Metzler auch die Möglichkeit, in den A-Kader zu wechseln. „Obwohl mir die Arbeit mit der zweiten Mannschaft, die ich auch weiter ausgeführt hätte, echt Spaß gemacht hat, wechselte ich dann in die erste Mannschaft. Das konnte ich vor allem deswegen, weil ich Stefan schon echt lange kenne, der bereits mein eigener Trainer war und es der Wunsch von ihm und auch des sportlichen Leiters war.“ Dann habe er auch nicht gezögert, „vor allem in Hinblick auf die Heim-EM in Oberstdorf im Jahr 2021.“

Jetzt arbeitet er Hand in Hand mit Karl Geiger, Richard Freitag und Co., bei den Wettkämpfen ist er meist auf dem Trainerturm mit der Kamera in der Hand zu sehen. „Aufgrund der ziemlich flachen Hierarchie, die wir im Team haben, kann auch jeder jede Aufgabe übernehmen. Ich bin hauptsächlich fürs Material, also vor allem für die Anzüge, verantwortlich und agiere oft auch als Vertretung vom Stefan, zum Beispiel bei der Arbeit mit den Medien.“ Und auch im individuellen Training mit den Athleten ist er sehr aktiv, in seinem Hauptstützpunkt in Oberstdorf organisiert er zum Beispiel das Krafttraining der Sportler.

Jetzt steht die Vierschanzentournee an, nach dem gestrigen Springen in Oberstdorf folgen die Stationen in Garmisch-Partenkirchen, Innsbruck und Bischofshofen, für Bernhard Metzler also Hochbetrieb. Und wen sieht er als Favoriten auf den Gesamtsieg? „Zum einen klar den Ryoyu Kobayashi, aber auch Stefan Kraft macht seit dem Beginn der Saison einen guten Eindruck. Und aus Sicht des DSV ist ziemlich sicher Karl Geiger das heißeste Eisen.“ Man darf also gespannt sein, ist die Tournee doch auch immer für Überraschungen gut.

 

Dieser Text erschien zuerst am 30.12.2019 in den Vorarlberger Nachrichten.