Wien, Feldkirch Donnerstag, der 21.3.2019, 13:17 Uhr. Wir, zwei 7. Klassen des BG Feldkirch, machen uns, auf Einladung von niemand Geringerem als Bundespräsident Alexander Van der Bellen, auf den Weg in die Bundeshauptstadt.Grund dafür: Leider musste der Staatschef eine Einladung unsererseits zu unserem Maturaball ablehnen, lud uns aber im Gegenzug gerne zum 9. Schülertag in der Hofburg zu sich ein.

Keine Minute der Zugfahrt bleibt ungenützt und so wird bereits auf dem Weg intensiv ein auf unseren Besuch bezogener Arbeitsauftrag bearbeitet. Am Hauptbahnhof in Wien wissen wir bereits perfekt über die Kompetenzen unseres Staatsoberhauptes Bescheid. Erneut machen wir, nach der letztjährigen Wienwoche, unsere Stamm-Jugendherberge am Naschmarkt unsicher, bevor wir unseren Frust über eine Niederlage der Nationalelf in der Pizzeria loswerden.

Die Elite hat gut gefrühstückt und schreitet spürbar gespannt und erhobenen Hauptes durch Wien. Auf einem Stadtspaziergang stellen wir uns in morgendlicher Frische mental auf die kommende, ehrwürdige Zeremonie ein. Schließlich vollenden wir unseren Rundgang vor den Toren der Hofburg. Die Spannung steigt mit jeder Diplomatenlimousine, die unseren Weg passiert. Wir passieren unterdessen im Stil einer Kontrolle am Flughafen alle Sicherheitsvorkehrungen und werden sogleich von einer Mitarbeiterin des Präsidentschaftsamtes empfangen.

Die höchst informative Führung bringt uns durch die ehemalige Machtzentrale und die Wohnräume Maria Theresias. Geschichten aus Habsburger Zeiten werden ebenso erzählt wie die heutige Verwendung diverser Räumlichkeiten. Über den Spiegelsaal gelangen wir, vorbei an der kaiserlichen Vorstellungsuhr und weiteren Schmuckstücken, ins Maria-Theresien-Zimmer, dessen rote Wände uns von Angelobungen und Staatsbesuchen nur allzu bekannt erscheinen. Hier soll der große Moment des Tages stattfinden. Nach und nach füllt sich das frühere Schlafgemach der Kaiserin mit knapp 300 Schülerinnen und Schülern jeden Alters. Kurz werden wir noch über den kommenden Ablauf instruiert, bevor wir Bundespräsident Alexander Van der Bellen höchstpersönlich mit tosendem Applaus begrüßen dürfen.

 

Unser Präsident

Herzlich werden wir nun auch vom Gastgeber und Chef des Hauses selbst begrüßt. Die wohl häufig gestellte Frage nach dem Tagesablauf eines Bundespräsidenten wird sogleich direkt mit einem Blick in den digitalen Kalender des Präsidentenhandys beantwortet. Eine beachtliche Fülle an Terminen, darunter in- und externe Meetings mit durchaus bekannten Persönlichkeiten, wird uns offenbart. Ein Kasernenbesuch, sowie ein Fußballspiel standen diese Woche demnach ebenfalls auf der Agenda.

Dann sind wir an der Reihe und aufgefordert, Fragen aller Art zu stellen. Der Weg zum Amt wird thematisiert und Van der Bellen geht gerne auf seine Überlegungen vor der Wahl ein. Den Berufswunsch „Bundespräsident“ von klein auf erachtet er nüchtern für Blödsinn. Nun werde man ihn, als verfassungsrechtlich einzig direkt gewählte Person, nicht mehr leicht los, meint er mit einem Schmunzeln. Auf tagespolitische Themen, wie die Umweltproteste „fridays for future“ oder die Einführung der Sicherungshaft, wird er ebenfalls angesprochen und steht uns nach bestem Wissen und Gewissen Rede und Antwort. Außerdem erzählt er uns von seinen persönlichen Beziehungen zu anderen politischen Vertretern. Mit vielen seiner Gegenüber könne er auf Anhieb, mit so manchem hätte er hingegen als Kind nicht im Sandkasten gespielt. Anschließend wird für ein gemeinsames Foto posiert.

Klassenweise werden wir einen Raum weiter mit einem weiteren Foto verabschiedet, wobei Twitter-Sternchen die Möglichkeit bekommen, sich ihren persönlichen Präsidenten-Tweet signieren zu lassen. Maxl Werner bekommt sichtlich erfreut nun auch seine persönliche Gratulation zur Wiederholungsprüfung in Latein. Die Hofburg verlassen wir nach einer finalen Jause schließlich nicht mit leerem Magen.

 

Im Hause Kneissl

Im Anhang an die Audienz beim Bundespräsidenten schließen wir wenige Meter weiter mit einem Besuch im Außenministerium an. Wie wir in der Präsidentschaftskanzlei verabschiedet wurden, so werden wir in der Bundesbehörde für Europa, Integration und Äußeres begrüßt und zu Beginn für ein Foto zurechtgerückt. Es folgt ein kurzer Überblick über die auswärtigen Ämter der Republik und zuletzt ein überaus ausführlicher Vortrag zum Thema Integration. Auch hier werden wir nicht ungesättigt bleiben.

Um all diese Erfahrungen reicher treten wir zu guter Letzt wieder den Rückweg an und werden mit unserem Gepäck und neuen Eindrücken an den Pforten der Jugendherberge entlassen. Unser Dank gilt allen, die uns diese Exkursion nach Wien ermöglicht haben: den Klassenvorständinnen Katharina Mader und Melanie Valentin-Brenda, Maximilians Twitter-Aktivitäten und nicht zuletzt dem Herrn Bundespräsidenten.

 

Was sonst noch so passiert ist…

Nach dem offiziellen Ende der Schulveranstaltung verabschiedeten wir uns von unseren Lehrerinnen, denn es ging noch nicht zurück nach Hause. Einige verbrachten die kommenden Nächte bei Verwandten, andere checkten in verschiedenen Hostels rund um den Bahnhof ein. Der Nachmittag wurde von den meisten gleich dazu genutzt, um die kulinarischen Highlights der Hauptstadt, wie zum Beispiel den Burgerimbiss „Rinderwahn“ beim Naschmarkt, der vor allem Benedikt, Cinio und Clemens noch vom letzten Wien-Aufenthalt in Erinnerung geblieben war, zu genießen. Am Abend trafen sich die Wege vieler wieder, ein Besuch in einer Karaokebar war geplant. Mit unserer Gruppe von über 20 Leuten war diese zwar schon fast voll, das störte uns aber nicht. Die Stimmung war super und unser mehr oder weniger großes musikalisches Talent wurde mit Liedern wie „Gimme! Gimme! Gimme!“ von ABBA oder „079“ von Lo&Leduc im ersten Wiener Bezirk präsentiert. Das Highlight war aber definitiv „Vo Mello bis ge Schoppornou“, bei dem sogar die Wiener mit einstimmten. Am nächsten Tag sah das Programm für jeden anders aus. Manche erholten sich noch von der vorherigen Nacht, andere waren schon früh unterwegs. Von einem Abstecher in den Prater bis zu einer Fahrradtour entlang der Donau war alles dabei. Besonders in der Mariahilfer Straße – der „MaHü“ – traf man ganz klischeehaft den Großteil der Mädchen aus unserer Klasse an. So gegen 16:00 ging es für die meisten wieder nach Vorarlberg zurück, der Rest genoss noch den Sonntag in Wien.

 

Dieser Bericht erschien zuerst am 30.03.2019 in den Vorarlberger Nachrichten. Er wurde von Jakob Walser, Magdalena Walch und mir geschrieben.