Wien, Bregenz Schüler und Lehrer sind sich einig: Bei allen Vorzügen der digitalen Kommunikation, für eine seriöse Vorbereitung auf die Matura braucht es den direkten Lehrer-Schüler-Kontakt mit physischer Präsenz. „Für die letzten Vorbereitungen ist der direkte Kontakt enorm wichtig. Zudem müssen für die mündlichen Prüfungen bestimmte Themenfelder erst noch bearbeitet werden. Beim Online-Unterricht darf man nur wiederholen und Stoff festigen“, sagt Maturant Maximilian Werner (18) im Namen seiner Kolleginnen und Kollegen.

Auch Freddy Witwer, Sprecher der Vorarlberger AHS-Mathelehrer, sieht das so: „Es ist ein großer Unterschied, ob du auf einer digitalen Plattform kommunizierst oder im direkten Kontakt. Die 14 Tage Vorbereitung auf die Matura bräuchten wir unbedingt“, betont Witwer.

Es wird eng

Nicht dran denken will Wittwer, der mit Wien in ständigem Kontakt steht, dass die Verbannung vom Schulgebäude für Lehrer und Schüler womöglich über die Osterferien hinaus andauert. „Wenn das passiert, wird man wohl nicht drum herumkommen, sich mit einer Ansetzung der Reifeprüfung im Herbst zu beschäftigen.“

Eng wird es ohnehin jetzt schon. Der Start der schriftlichen Matura ist auf Dienstag, den 19. Mai, mit der Klausur in Deutsch angesetzt. Die Reihenfolge der weiteren Prüfungsfächer wurde vom Bildungsministerium bis Mittwoch noch nicht bestimmt. Die Kompensationsprüfungen wären laut neuem Terminplan für 11. und 12. Juni vorgesehen, die mündliche Matura soll am 15. Juni starten. Im ihrem Rahmen sollen auch die Vorwissenschaftlichen Arbeiten bzw. die Doplomarbeiten präsentiert werden.

Abstimmung mit Unis

Abstimmungen sind auf alle Fälle mit den Universitäten notwendig, um Kollisionen zu vermeiden. Der Medizin-Aufnahmetest an den Unis ist für 3. Juli vorgesehen, eine Woche später folgen Wirtschaft, Informatik, Jus und Publizistik.

„Wir können jetzt nur warten, was im Ministerium bezüglich Matura vollumfassend beschlossen wird. Wir stellen uns darauf ein, sofort zu reagieren, wenn wir wissen, was Sache ist“, verspricht Andreas Kappaurer (58), pädagogischer Leiter der Bildungsdirektion Vorarlberg.

In die Bredouille kommen viele Maturanten auch mit ihrer bereits gebuchten und bezahlten Maturareise, die sie unmittelbar nach absolvierter Reifeprüfung anzutreten gedachten. So will „Summer Splash“, einer der Veranstalter von Maturareisen, vorerst nur bei einer Reisewarnung in die Region Kalabrien im Juni den Reisepreis vollständig rückerstatten. „Wir sind damit beschäftigt, mögliche Ersatztermine und alternative Destinationen zu finden. Sollten die Umstände jedoch keine Maturareise zulassen, versuchen wir akzeptable Kulanzlösungen mit den Teilnehmern zu vereinbaren“, betont Katharina Wolf, bei „Summer Splash“ für die Buchungszentrale zuständig.

1000 Euro

Das einwöchige Vergnügen in einem luxuriösen Ferienhotel in Kalabrien haben sich die ferienhungrigen Maturanten nicht weniger als 1000 Euro kosten lassen. Geplant wäre der „Summer Splash“ in zwei Etappen vom 23. bis zum 30. Juni, bzw. vom 30. Juni bis zum 7. Juli.

 

Dieser Bericht erschien zuerst am 19.03.2020 in den Vorarlberger Nachrichten. Er wurde von Klaus Hämmerle geschrieben und ist weiterhin abrufbar.