Mario Schmahl, Kickbox- und Selbstverteidigungs-Trainer aus Osttirol und einer der vielen Ein-Personen-Unternehmer (EPU), die händeringend um das wirtschaftliche Überleben kämpfen, war sichtlich außer sich: „Ja, brennt eich amal die Lampn?“
In einem von ihm veröffentlichten Video auf Facebook ist ihm die Verzweiflung anzusehen. Herr Schmahl hat vergangenes Jahr sein Studio erneuert. Er hat heimische Betriebe beauftragt und somit die berühmte Wertschöpfung in der Region gehalten. Mit diesen Investitionen hat er keinen Gewinn erzielt.
Freitag, 17 Uhr, als die Soforthilfen beantragt werden konnten, dann der Moment, der das Fass zum Überlaufen brachte. Laut Richtlinie darf das jährliche Nettoeinkommen 5572 Euro nicht unterschreiten. Da er aber eben investiert hat, kommt er nicht auf diese Summe. Also fällt Mario Schmahl um die Soforthilfe von 500 Euro.
Das ist ein Skandal.
Hallo, Bundesregierung! Es geht hier um reale Existenzen. Es geht um Menschen, die sich ihr Geschäft mühsam aufgebaut haben und dieses völlig unverschuldet verlieren. Masseure, Fitnesstrainer, Friseure, Nagelstudios. Menschen, die Mut bewiesen haben, ihren eigenen beruflichen Weg zu gehen und jetzt, ohne Sicherheitsnetz, die ersten sind, die vor einem Berg voller Schwierigkeiten stehen. Niemand verlangt, dass jetzt alles perfekt funktioniert – die Situation hat alle überrollt. Auch die Politik. Aber es gibt Beispiele, wo jenen Kleinunternehmern schnell geholfen wurde, sodass ein wirtschaftliches Überleben zumindest realistisch erscheint. Von der Schweiz hätte man lernen können. Dort landete nach dem politischen Beschluss das Geld binnen Stunden auf den Konten der Kleinstunternehmer. Dass 500 bzw. 1000 Euro nur ein Tropfen auf dem heißen Stein sind und wohl erst ab Mitte April weitere Hilfen beantragt werden können, passt zum Bild. Zu wenig, zu spät, zu bürokratisch.
Dass die Bundesregierung große Kommunikatoren in ihren Reihen hat, ist unbestritten. Es besteht Zweifel, ob man bei der realen Hilfe vor Ort die gleiche Schlagzahl hinbekommt. Pressekonferenzen sichern keine Existenzen!
Schauplatzwechsel: Maturant Maxl Werner aus Vorarlberg hatte seinen Moment des Furors früher. Bundesschulsprecherin Jennifer Uzodike besteht auf der Abhaltung der Matura. „Wir wollen nicht der Jahrgang sein, dem vorgehalten wird, die Matura geschenkt bekommen zu haben.“

„Leistung haben wir über zwölf Jahre gebracht, bewiesen, dass wir Themenbereiche beherrschen. Ob wir da in der aktuellen Situation eine Prüfung dranhängen, ist Powidl“, entrüstet sich Werner via Twitter.
Ich verstehe seinen Ärger. Die heurige Maturanten-Generation wird es ab Herbst außerordentlich schwer haben. Ein Land in wirtschaftlicher Rezession, im bildungspolitischen und gesellschaftlichen Krisenmodus ist kein Startvorteil. Und der vermutlich etwas realitätsfernen Bundesschulsprecherin sei gesagt: Niemand wird in einigen Jahren danach fragen, wie die Matura zustande kam.
Im Gegenteil. Ich selbst betreute an der Universität Mozarteum zwei Maturanten im sogenannten Pre-College. Ich kenne niemanden, der in den vergangenen Monaten härter gearbeitet hat. Also gebt den jungen Leuten ihre Matura und entlasst sie ins Leben.
Was wir in Wirtschaft, Bildung und im Feld der Kunst und Kultur brauchen, sind Entscheidungen, die Planungssicherheit geben. Eine Voraussicht, wie es weitergeht, darf man nach Ostern erwarten. Schnelle Hilfe rettet Arbeitsplätze und Existenzen. Transparente Informationen und Planungssicherheit ebenso.

 

Diese Kolumne erschien zuerst am 29.03.2020 in der Kronen Zeitung. Sie wurde von Martin Grubinger geschrieben und ist weiterhin abrufbar.