Schwarzach Vor einem knappen Monat herrschte beim SCR Altach noch Normalbetrieb. Am 2. März gewann die Mannschaft von Trainer Alex Pastoor zuhause gegen Meister Salzburg mit 3:2, die Welt schien in Ordnung. Jetzt, 32 Tage später, ist beim Bundesligisten alles anders. Alle Mitarbeiter und fast die gesamte Profi-Mannschaft wurden auf Kurzarbeit umgestellt. An die Stelle von Trainingseinheiten im Campus sind Übungen für zuhause gerückt und plötzlich scheint die wirtschaftliche Lage auch nicht mehr so gut wie noch vor einem Monat zu sein.

Zu all diesen Themen nahm Christoph Längle,Geschäftsführer Wirtschaft beim SCR Altach, im Rahmen des VN.at-Stammtisches mit Sportchef Christian Adam Stellung.

 

„Ein kerngesunder Verein“

Natürlich sei die allgemeine Situation eine sehr schwierige und für die gesamte Besetzung außergewöhnlich: „Das ganze Gelände der Cashpoint-Arena ist verwaist, der Trainingscampus ist sowieso gesperrt. Für alle Personen im Verein ist es gespenstisch und auch ganz und gar nicht einfach. Wir hoffen, dass es in absehbarer Zeit mit dem normalen Spielbetrieb wieder losgeht. Aber diese Entwicklung ist aktuell noch kaum abzusehen, aufgrund dessen ist der Fußball für uns aktuell in weite Ferne gerückt.“

Auch wirtschaftlich ist die Pandemie für den Verein schwer zu stemmen, weswegen man sich nach längeren internen Diskussionen dafür entschied, die Belegschaft auf Kurzarbeit umzustellen. Neben den Mitarbeitern im Office und dem Trainerstab zeigte sich auch die Profi-Mannschaft damit einverstanden. Mit einer Ausnahme. Mittelfeldspieler Manfred Fischer zog es nämlich vor, die Papiere zur Kurzarbeit nicht zu unterzeichnen und stattdessen 20 Prozent seines Gehaltes an die Caritas zu spenden.

Der Schritt zur Kurzarbeit sei aber der richtige gewesen, denn „es ist wirklich schwer zu verkraften, wenn von einem Tag auf den anderen praktisch alle Einnahmen wegbrechen.“ Im Grunde sei der Verein ein „wirtschaftlich kerngesunder Verein“. In den letzten zehn Jahren habe man ganze neun Mal schwarze Zahlen geschrieben. Dies werde in diesem Jahr wohl kaum zu schaffen sein. Man könne solch eine Phase zwar für eine gewisse Zeit wegstecken, sollte es aber länger dauern, müsse man sich andere Maßnahmen überlegen. Denn dann könnte es durchaus eng werden.

 

Was birgt die Zukunft?

Und was ist jetzt der Plan für den weiteren Verlauf der Meisterschaftssaison? Zunächst soll laut Längle einmal abgewartet werden, dank der Verschiebung der Europameisterschaft in das nächste Jahr hätte man jetzt sogar einen Zeitpuffer bis in den Juli. Doch fix ist nichts, wie Christoph Längle immer wieder betont: „Man muss schon auch sagen, dass die Situation aktuell sehr unübersichtlich ist, dass sich andauernd neue Entwicklungen ergeben. Ob sich das also alles so ausgehen wird, wie wir uns das vorstellen, kann man nur hoffen.“

Jetzt könne jedenfalls noch keine Entscheidung getroffen werden: „Ich war zum Beispiel von der frühen Absage der Saison in Belgien sehr überrascht, so weit sollte man jetzt noch nicht gehen. Aber je nachdem, wie lange sich alles noch zieht, wird man sich gewisse Maßnahmen überlegen müssen. Geisterspiele sind da auch kein Tabuthema. Einfach weil – und so ehrlich soll man sein dürfen – auch ganz wichtige TV-Gelder dranhängen.“ Man müsse sich also jeden Schritt genau überlegen. Dann sei diese Pandemie auch gut zu überstehen.

 

Dieser Text erschien zuerst am 04.04.2020 in den Vorarlberger Nachrichten.