VN-Interview. Robert Schörgenhofer (47), Fußballschiedsrichter

Schwarzach Seit vielen Jahren beobachtet er als Kolumnist für die VN bei Fußball-Großveranstaltungen wie WM oder EM die Leistungen seiner Kollegen, mit Ende Juli wechselt FIFA-Referee Robert Schörgenhofer offiziell in die Beobachterrolle. Noch zwei Spiele, am Samstag in Dornbirn und dann eines am letzten 2.-Liga-Spieltag, und dann ist für den 47-Jährigen die aktive Laufbahn am Platz beendet. Wehmut ist keine dabei, wenn er darüber spricht, vielmehr verspürt er Vorfreude auf die kommenden Aufgaben. „Die Pause ist kurz.“

 

Sie haben in der Coronazeit bislang fünf Bundesliga- und zwei Zweitliga-Spiel geleitet, wie war für Sie die Arbeit auf dem Platz?

Ich denke, dass es mir ähnlich wie den Spielern auf dem Platz ergangen ist. Was wir in den letzten Wochen gesehen haben, hatte aber aus meiner Sicht nur sehr wenig mit dem Fußball, wie wir ihn von zuvor kannten, zu tun. Vielmehr hatte ich vom ganzen Umfeld her das Gefühl wie bei Freundschaftsspielen. Es gibt keinen richtigen Einlauf, die beiden Mannschaften und ich kommen jeweils einzeln aufs Feld und ohne große Umschweife geht es direkt los. Fast ohne Bundesliga-Feeling.

Hat sich aus Ihrer Sicht auch das Spielerische verändert?

Ja, vor allem in den ersten Runden war eine Veränderung zu sehen, man merkte ganz einfach die fehlende Matchpraxis, was nach einer so langen Pause nachvollziehbar ist. Das wurde dann zwar mit der Zeit besser, aber zunächst gab es doch noch einige Abstimmungsprobleme.

War das bei den Schiedsrichtern auch so? Ließen die sich auch durch die Umstände beeinflussen?

Bei mir persönlich kann ich das ausschließen. Ich habe die letzten Runden genau gleich geleitet, wie ich das zuvor gemacht habe. Klare Vergehen habe ich mit der Gelben Karte bestraft und ich habe Elfmeter gepfiffen – für Heim- sowie für Auswärtsteams. Das sollte einem als Schiedsrichter mit langjähriger Erfahrung auch nicht passieren. Ich kann mir halt maximal vorstellen, dass sich jüngere Kollegen mit der Umstellung etwas schwerer tun könnten.

Ist die Spielleitung dadurch einfacher geworden?

Die fehlende Atmosphäre habe ich bereits angesprochen, die geht einem auf dem Rasen einfach ab, weil die den Fußball ausmacht. Aber es ist sicherlich in der Hinsicht einfacher geworden, dass die Kommunikation besser funktioniert und dass man alle Leute rundherum – Spieler wie Trainer – einfach immer gut versteht. Und dadurch, dass sich keine aufgeheizte Stimmung mehr von den Rängen auf den Platz übertragen konnte, ging es auch auf dem Platz gleich viel harmonischer zu. Ich glaube, ich hatte nur ein Mal eine kleine Rudelbildung, das ist sehr angenehm.

Wie waren denn die Umstände rundherum für Sie? Mit regelmäßigen Tests und Abstandhalten?

Ich werde weiterhin jede Woche beim Drive-In in Röthis getestet, weil ja die zweite Liga aktuell noch läuft. Am Anfang war es für uns alle natürlich ungewohnt, wenn man sich eigentlich die Hände schütteln will und nunmehr auf die Begrüßung mit der Faust oder den Ellenbogen umsteigen muss. Aber aufgrund der laufenden Testungen ist es – so ehrlich darf ich sein – in Bezug auf Covid19 entspannter geworden. Alles in allem hat sich das Präventionskonzept der Liga sicherlich bewährt.

Für die Coronazeit wurde die Regel, wonach die Schiedsrichter keine Spiele aus ihrem eigenen Landesverband leiten dürfen, aufgehoben. Würden Sie sich wünschen, dass das so bleibt?

Als Vorarlberger speziell wäre das für uns sicher wünschenswert. In direkter Nähe haben wir nur Innsbruck, alles ab da in Richtung Osten braucht auch seine dementsprechende Zeit – manchmal fast eineinhalb Tage. Da ist es natürlich schon angenehm, weil die Reisestrapazen wegfallen, man in 20 Minuten mit dem Auto nach Lustenau, Dornbirn oder Altach fährt und in insgesamt fünf Stunden inklusive Vorbereitung fertig ist. Aber es stellt sich natürlich die Frage, wie das dann sein wird, wenn wieder Zuschauer im Stadion zugelassen sind und man dann im eigenen Verband doch einige Leute auf den Rängen persönlich kennt. Das kann ich jetzt nicht beurteilen, aber wenn man nur mit den Spielern zu tun hat, ist der Verband eigentlich egal.

Im Frühjahr 2021 hätte ja ider Videoschiedsrichter eingeführt werden sollen. Können Sie nachvollziehen, dass dies jetzt auf die Spielzeit 2021/22 verschoben wurde?

Ja, durch die jetzige Situation mussten zum Beispiel Schulungstermine im März und April für die Schiedsrichter, die direkt die Geräte bedienen, verschoben werden. Diese Termine lassen sich jetzt auch wieder schwer einplanen, weil sie während der Saison kaum unterzubringen sind. Ich denke nicht, dass wir hier etwas überstürzen müssen, es ist mir lieber, wenn dann alles richtig funktioniert und wenig Beschwerden kommen. Wir müssen nur nach Deutschland schauen, wo der Videobeweis fast eineinhalb Saisonen lang in der Kritik stand. Dem können wir mit guten Ausbildungen vorbeugen.

 

Dieser Text erschien zuerst am 15.07.2020 in den Vorarlberger Nachrichten.