Vorarlbergerin des Tages: Journalistin ganz akribisch

Die Journalistin Alexandra Wachter (32) wurde vor wenigen Wochen mit dem Robert-Hochner-Preis ausgezeichnet, unter anderem für ihre „faktenbasierte“ Arbeit.

Wien, Bludenz Wenn man Alexandra Wachter nach ihren Kindheitserinnerungen aus ihrer Zeit in Bludenz fragt, antwortet sie sofort mit kulinarischen Spezialitäten aus Vorarlberg: „Intensiv war immer der Geruch von der Suchard-Fabrik, meine Großeltern wohnten direkt darüber. Und wir haben oft Diezano getrunken.“ Dazu hatte die Tochter einer Mexikanerin und eines Vorarlbergers einige Zeit, sie wohnte zwar in Tirol, war aber regelmäßig bei der Verwandtschaft in Vorarlberg auf Besuch.

Mittlerweile ist die 32-Jährige nach Wien übersiedelt. Dort arbeitet Wachter als Journalistin, Moderatorin und Reporterin für die Informationssendungen der Puls4-Sendergruppe. Für ihre Tätigkeit im Politik-Ressort wurde sie vor wenigen Wochen mit dem Robert-Hochner-Preis ausgezeichnet. Diesen verleiht die österreichische Journalistengewerkschaft „für herausragende journalistische Leistungen in elektronischen Medien“, überreicht wurde er ihr durch Bundespräsident Alexander Van der Bellen bei einem Festakt in der Hofburg.

„Dieser Abend war wirklich aufregend“, berichtet Wachter über ihre Eindrücke aus der Präsidentschaftskanzlei: „Meine 12-jährige Tochter war mit dabei, für sie war das unglaublich spannend. Wie für mich natürlich auch.“ Auf beruflicher Ebene sei sie besonders froh, „nicht vergessen“ worden zu sein, wie sie mit einem Augenzwinkern feststellt – seit der Geburt ihrer zweiten Tochter vor fünf Monaten ist sie nämlich in Karenz.

„Faktenbasiert und sachlich“

In der Begründung der Jury wurde Wachter speziell für ihre Vorbereitung geehrt: „Sie führte in den vergangenen Monaten herausragende politische Interviews. Dabei blieb sie auch bei Provokationen immer sachlich und bewies ihr eigenständiges Denken überzeugend.“

Ihre Dankesrede nutzte die Journalistin auch, um auf ihre Situation aufmerksam zu machen. Nach dem plötzlichen Tod ihres Vaters – damals war sie 16 Jahre alt – stand sie mit ihrer Mutter vor dem finanziellen Ruin. Als sie 18 Jahre alt war, wurde Wachter erstmals schwanger: „Hätte ich es geschafft, meine heute fast 13-jährige Tochter großzuziehen, die Matura zu machen, die Universität zu besuchen und meine Passion für den Journalismus zu leben, wenn der Sozialstaat meine einzige Chance gewesen wäre? Wohl kaum“, bekräftigte sie. Deshalb wolle sie „für mehr Empathie plädieren und dafür, dass wir als Gesellschaft dorthin schauen, wo es Schieflagen gibt“.

Dies sei auch ein Grundsatz, den sie in ihrer Tätigkeit als Journalistin tagtäglich anlege, wie sie im Gespräch mit den „VN“ betont: „Ich habe zum Beispiel einmal eine Dokumentation gemacht über die Jenische Volksgruppe, die schon ewig diskriminiert wird. Denen hört niemand zu, also liegt es an uns, solche Themen in den Mittelpunkt zu bringen.“ Als „mein Thema“ bezeichnet Alexandra Wachter die Frauenrechte: „Dadurch, dass ich wahnsinnig früh schwanger war, habe ich schnell erkannt, dass wir gesellschaftlich noch keine Gleichstellung erreicht haben.“

Die genaue Vorbereitung, die Wachter zugeschrieben wird, ist ihr persönlich ein Anliegen: „Diesen Job machen zu können, ist ein großes Privileg, also möchte ich ihn gut machen. Und als Redakteurin braucht man Wissen.“ Nach Abschluss der Abendmatura eignete sie sich dieses mit einem Studium der Politikwissenschaft an, aktuell absolviert sie den Master in Politischer Kommunikation.

 

Dieser Text erschien zuerst am 04.11.2021 in den Vorarlberger Nachrichten und ist weiterhin hier abrufbar.

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