Wels, Schwarzach Es gibt Sportarten, die jedes Kind praktisch mit seinen ersten Schritten im hauseigenen Garten ganz einfach und mit nur wenigen Hilfsmitteln ausüben kann. Fußball, Basketball und Tennis gehören hier beispielsweise dazu. Flächendeckende Vereinsstrukturen sind weitere Vorteile, wie Athleten aus Nischensportarten doch ein wenig neidisch feststellen müssen.

 

Erfolgreicher Ländle-Vertreter

Zu diesen zählt mit Sicherheit auch das Speed-Skydiving. Personen, die sich in dieses Risiko stürzen, bezeichnen sie oft auch gerne als die schnellste nicht-motorisierte Sportart der Welt. Und in ebendieser Sportart gibt es seit einigen Jahren einen Vorarlberger Athleten, der immer wieder für Furore sorgt. Die Rede ist vom 42-jährigen Alexander Diem aus Dornbirn, der sich erst Ende Juni bei den Österreichischen Staatsmeisterschaften im Speed-Skydiving abermals einen Eintrag in die Weltrekord-Bücher sichern konnte.

Das Mitglied des Union-Para-Clubs Silvretta am Hohenemser Flugplatz erreichte im Rahmen dieses Events in Oberösterreich im freien Fall eine Maximalgeschwindigeit von 476,23 Stundenkilometern und konnte sich mit diesem Wert erfolgreich als neuer Weltrekordhalter in den Ranglisten der FAI – der Internationalen Aeronautischen Vereinigung – verewigen.

 

Neue Messmethoden

Bis vor knapp einem Jahr wäre diese Geschwindigkeit aber nicht einmal annähernd an damals noch geltende Rekorde herangekommen. Der Grund hierfür liegt in einer Regeländerung der ISSA („International Speed-Skydiving Association“), die beschloss, alle Rekorde, die mit barometrischen Messmethoden erzielt wurden – ein freier Fall mit angeblich knapp 600 km/h schaffte es damals in das Buch der Weltrekorde – zu anullieren. An die Stelle der sehr ungenauen Messsysteme ist dann eine GPS-Messung getreten, die den Sport um einiges fairer machte. Dies war auch eine Entwicklung, die von Diem positiv aufgenommen wurde.

 

Einige Voraussetzungen

Um einen neuen Weltrekord aufzustellen, der dann auch von der FAI anerkannt werden kann, sind mehrere Faktoren notwendig. Zum einen muss der Absprung vier Kilometer über Grund erfolgen, 2,7 Kilometer über Erdenboden beginnt dann der 1000 Meter lange Messbereich. Pro Wettkampf stehen dem Athleten sechs Sprünge zur Verfügung. Es wird mit normaler Fallschirmausrüstung „gefallen“, zusätzliche Nebengewichte sind strikt untersagt. Außerdem müssen drei Richter der FAI beim Bewerb anwesend sein. An letzterer Voraussetzung scheiterten im vergangenen Jahr übrigens auch schon einige Sportler, deren Geschwindigkeiten dann nicht anerkannt wurden und die jetzt auf neue Versuche warten.

Zum wichtigsten Faktor zählt laut dem hauptberuflichen Software-Entwickler, neben den gegebenen Grundvoraussetzungen, die Fähigkeit, die Position, in der der Kopf zum Boden gerichtet ist, in der Luft beizubehalten. Dann sei in dieser Sportart sehr vieles möglich.

 

Dieser Text erschien zuerst am 16.07.2019 in den Vorarlberger Nachrichten.