FC Thüringen feiert 100-Jahr-Jubiläum mit Obmann Berno Witwer.

Thüringen Berno Witwer ist ein wandelndes Geschichtsbuch. Zumindest wenn es um den FC Thüringen geht. Und der Verein aus der 1. Landesklasse hat tatsächlich eine lange Geschichte zu bieten, feiert er heute, Samstag, doch seinen 100. Geburtstag. Am 24. April 1921 wurden die Statuten hinterlegt, heute ist der 64-jährige Obmann froh, einen „kerngesunden“ Fußballverein führen zu dürfen.

Witwer ist seit über 50 Jahren mit dabei – bei seinen Eltern, die nicht unbedingt Fußball-affin waren, musste der damalige Trainer um Spielerlaubnis für ihren Sohn bitten. Sie stimmten zu, der Rest ist Geschichte. Lange spielte er im Nachwuchs des FC Thüringen, dann auch in den Kampfmannschaften. Nebenher übernahm er immer mehr Aufgaben, war Kassier, sportlicher Leiter, für kurze Zeit sogar Spielertrainer und wurde schließlich im September 2014 zum neuen Obmann berufen.

 

Treffpunkt für Gesellschaft

Für Witwer war es immer eines der wichtigsten Anliegen, den Verein, die Sportanlage und das Clubheim zum Ort für die gesamte Gesellschaft zu machen: „Wir sind ein Treffpunkt für alle. Bei uns treffen sich Jung und Alt vor und nach den Spielen, in Fußballvereinen kommt ein Ort richtig zum Leben!“ Das sollte eigentlich gefeiert werden, bei einem großen Festakt zum Hundertjährigen. Doch der wurde abgesagt.

Dass das Vereinsleben aufgrund der aktuellen Umstände nicht ganz so ausgelebt werden kann, ist demnach auch für Witwer eine bedrückende Situation. Umso mehr freut er sich, dass immerhin im Nachwuchsbereich das Training wieder aufgenommen werden konnte: „Die Jugend ist schon eine Stütze des Vereins, darauf sind wir sehr stolz.“ An einen ganz besonderen Nachwuchsspieler erinnert sich der Obmann noch heute gut: an einen gewissen Michael Liendl. Der heute 35-jährige Bundesligist beim Wolfsberger AC spielte für neun Jahre in der Thüringer Jugend und war auch mit Berno Witwer unterwegs: „Ich bin damals mit Michi Liendl nach Stuttgart gefahren, er hatte dort ein Probetraining. Gereicht hat es damals nicht. Aber so ist er einfach noch in Thüringen geblieben.“

Besonders stolz ist Witwer über die wirtschaftliche Situation des FC Thüringen. Die stellt sich trotz der Pandemie und den daraus resultierenden Löchern in der Vereinskasse nämlich durchaus rosig dar: „Wir haben eigentlich nie öffentliche Gelder gebraucht, um einen gesunden Verein zu stemmen, da haben wir gut gearbeitet.“ So hat er auch einige Sätze zu verlieren über die laufende Kommerzia­lisierung des Sports: „Das sehen wir jetzt bei der Super League, das sehen wir aber auch im Amateurbereich. Es kann nicht sein, dass der Fußball nur noch vom Geld regiert wird und Erfolge gekauft werden.“ Das könne nicht der Sinn eines Vereins sein, „auch nicht grundgesellschaftlich“.

 

Dieser Text erschien zuerst am 24.04.2021 in den Vorarlberger Nachrichten und ist weiterhin hier abrufbar.