Hard Wenn man sich in Österreichs Handballszene nach Personen umhört, die in den letzten Jahren viel für die Integration mental behinderter Menschen in die Sportart getan haben, würde der Name von Ferdinand Armellini fallen. Der 66-jährige Harder ist seit der Gründung im Jahr 2009 Obmann des Vereins Handball Specials Vorarlberg. Der Verein bietet wöchentliche Trainingseinheiten an, organisert Spiele mit Gegnern aus allen Regionen Europas und bietet Personen mit mentalen Beeinträchtigung die Möglichkeit, den Handballsport auszuüben.

 

Initiative ergriffen

Gestartet habe alles mit einer Sendung über die Sport-Ausübung durch mental behinderte Personen im Süddeutschen Rundfunk. Daraufhin stellte Armellini an die Durlacher Turnados bei Karlsruhe die Anfrage, doch gemeinsam bei der Handball-EM 2010 ein Vorspiel gegeneinander zu veranstalten. „Ich war Feuer und Flamme und hab damals alle Hebel in Bewegung gesetzt. Nach zwei Trainingsstunden bei der Bludenzer Caritas mit Personen, mit denen man ja im alltäglichen Leben praktisch keine Anknüpfungspunkte hat, durften wir im Vorfeld der EM-Partie in Innsbruck auflaufen.“ Seine Leidenschaft für den Verein und den Sport hört man ihm spätestens dann total an, wenn er über diese Zeiten ins Schwärmen verfällt: „Die Atmosphäre in der Halle war atemberaubend. Jeder Spieler wurde namentlich aufgerufen, die Hymnen wurden gespielt und wir durften im Vorfeld unsere Vereine präsentieren.“

„Wir siegen nicht immer, aber wir gewinnen immer!“ Das ist das Motto der Handball Specials, die in jedem Spiel und jeder Trainingsstunde die Möglichkeit sehen, ihre Leistungen zu verbessern. „Und an Erfahrung gewinnt man sowieso mit jeder Minute auf dem Platz“, erklärt Armellini.

 

Internationales Turnier in Hard

Für diesen Zweck wurde auch das Unified-Programm ins Leben gerufen, in welchem Prominente aus Sport, Wirtschaft und Politik gemeinsam mit den Sportlern auf dem Platz stehen, um alle Personen auf dieselbe Ebene herunterzuholen. „Das ist ein ganz wichtiger Aspekt unseres Vereins, weil unsere Mitglieder nochmals aus erster Hand gezeigt bekommen, dass wirklich alle Personen, egal ob sie eine Beinträchtigung haben oder nicht, gleich wichtig sind.“

Anlässlich des zehnjährigen Vereinsjubiläums der Specials-Handballer findet am Samstag und Sonntag in der Sporthalle am See in Hard ein internationales Turnier mit Mannschaften aus fünf Nationen statt. Weil Armellini damit ein weiteres Mal mit Vorurteilen aufräumen will. Weil es für „Ferdi“ unfassbar wichtig ist, dass man den Blick der Gesellschaft für mentalbehinderte Menschen schärft und er in diesem Turnier und dem anschließenden Festakt die Möglichkeiten sieht, den Behinderten-Handballsport im Land weiter zu stärken.

Und was wünscht sich Armellini für die Zukunft des Behinderten-Handballsports? „Nicht nur für den Verein, sondern für alle mental beeinträchtigten Personen wünsche ich mir eine tolerantere Sichtweise der Gesellschaft, die den Kontakt mit Menschen, die manchmal vielleicht ein bisschen länger für die Erreichung ihrer Ziele brauchen, nicht scheut. Es sind Menschen, wie du und ich. Und diese sollten sich nicht verstecken müssen, nur weil sie etwas gelassener oder weniger gestresst sind.“

 

Dieser Text erschien zuerst am 22.06.2019 in den Vorarlberger Nachrichten.