Vor allem im Dienstleistungssektor spüren angehende Lehrlinge Folgen der Coronakrise.

Bludenz Mit der Coronakrise schnellten auch die Arbeitslosenzahlen in die Höhe. Lockdowns und niedrigere Umsätze zwangen viele Betriebe in die Knie. Die schwierige Situation bekommen auch Lehrlinge oder jene, die es noch werden wollen, arg zu spüren. Schon die Suche nach einer geeigneten Schnupperstelle stellt viele Jugendliche vor große Herausforderungen. Und auch der Alltag der knapp 1000 Vorarlbergerinnen und Vorarlberger an den Polytechnischen Schulen (PTS) hat sich mit der Pandemie massiv verändert.


Präsenzunterricht fehlt

Davon weiß auch Adrian Salzgeber aus Wald am Arlberg zu berichten. Der Klostertaler Schüler besucht seit vergangenem September die PTS Bludenz. „Zu Beginn des Schuljahres war die Situation noch recht gut“, erzählt der 14-Jährige. Mit der Umstellung auf das Distance Learning sei die Stellensuche allerdings für viele Schüler deutlich schwieriger geworden. Das liege vor allem am fehlenden Präsenzunterricht. Speziell im Fach „Berufsorientierung und Lebenskunde“ wäre dieser nötig. Schließlich wüssten manche Schüler noch immer nicht, in welcher Branche sie nach dem aktuellen Schuljahr arbeiten wollen.

 

Förderung fällt weg

Die Gründe hierfür sind vielfältig, wie Adrian weiß: „Viele bekommen zum Beispiel weniger Unterstützung von den Eltern oder haben keine passenden technischen Mittel für das Distance Learning“. Außerdem sei es schwierig, die Abläufe im Bewerbungsprozess vollständig nach Hause zu übertragen, auch wenn die Schüler dabei weiterhin von den Lehrern Unterstützung erhalten. Dem stimmt auch PTS-Direktorin Bettina Prax, zu: „Die gegenseitige Förderung, die in der Schulgemeinschaft gelebt wird, fällt durch das Distance Learning weg.“

Dennoch war Adrian bei seinen ersten Schritten in Richtung Berufsleben erfolgreich. Für Mitte Jänner dieses Jahres hatte er eine Schnupperstelle in seinem gewählten Fachbereich gefunden. Er habe schon früh gewusst, in welche Richtung er gehen wolle. Jeweils an zwei Tagen konnte er so die Arbeit eines Tischlers und eines Installateurs näher kennenlernen.

 

Schnuppern noch erlaubt?

Die Wahl dieser Branche habe Adrian in die Hände gespielt, weiß auch Bettina Prax: „Im Technikbereich stellt sich die Suche einfacher dar. Dort sind nach wie vor offene Schnupperstellen vorhanden, mit einer Einschränkung. Niemand kann mit Gewissheit sagen, ob ein Schnuppern bis zum geplanten Termin überhaupt noch erlaubt ist.“

Schwieriger ist die Situation im Bereich Dienstleistungen und Tourismus, wie auch die PTS-Direktorin erzählt: „Die Schülerinnen und Schüler hatten große Probleme, Schnupperstellen zu finden. Im Tourismus hat sich den Jugendlichen aufgrund der Schließungen leider gar keine Möglichkeit geboten.“

 

„Irgendwann ist es frustrierend“

Doch nicht nur in diesen Branchen war Geduld erforderlich. Das musste etwa Leopold Vidovic erfahren, der sich am Poly für den Fachbereich „Handel und Büro“ entschied. Seine Suche nach einer Schnupperstelle war schwierig: „Ich glaube, dass viele Firmen gar nicht wissen, was in den kommenden Wochen auf sie zukommen wird“, versucht der 14-jährige Nenzinger die aktuelle Situation zu beschreiben. Er habe sich bei mehreren Betrieben für eine Schnupperstelle beworben und über einen Monat hinweg immer wieder Absagen oder gar keine Rückmeldungen bekommen: „Irgendwann ist es einfach nur noch frustrierend.“

 

Dieser Text erschien zuerst am 28.01.2021 in den Vorarlberger Nachrichten, wurde von mir geschrieben und ist weiterhin hier abrufbar.