Der 55-Jährige Kabarettist ist zu Gast beim FAQ Bregenzerwald und freut sich über die Rückkehr der Kultur.

Schwarzenberg Jedes Jahr aufs Neue, wenn sich der Sommer zu Ende neigt und der Schulstart kurz bevorsteht, verwandelt sich der Bregenzerwald in ein großes Gesellschaftsforum. So bezeichnet sich jedenfalls das FAQ Bregenzerwald selbst, das auch zu Coronazeiten in toller Atmosphäre zu Diskussionsrunden, Lesungen und Konzerten mit interessanten Gästen lädt.

“Man muss halt einfach klar sagen, dass zu Beginn der Coronakrise aufgrund der Untätigkeit der damaligen Kulturstaatssekretärin (Ulrike Lunacek, Anm.) zwei Monate verstrichen sind. Deshalb war dann auch der personelle Wechsel zu Andrea Mayer erfreulich und gut”, bilanziert der Kabarettist und Schauspieler die ersten Monate der Krise. “Es gibt aktuell eine Absichtserklärung aus Wien, Förderungen für private Theater aufzustellen. Das ist halt vor allem für die Veranstalter hilfreich, für die einzelnen Künstler jedoch nur indirekt sinnvoll.”

 

“Sitzen weiter auf Nadeln”

Für diese Veranstalter sei die Krise weiter sehr belastend, vor allem weil man direkt von den politischen Entscheidungen abhängig ist: “Ich persönlich weiß von Veranstaltern, dass immer noch große Unsicherheiten mit dabei sind. Auch weil sich die Regeln schlagartig wieder ändern können, da kann dann noch so gut geplant worden sein.”

Auf der anderen Seite sieht der Wiener vor allem große Freude bei den Besuchern seiner Veranstaltungen: “Ich habe das Gefühl, dass die Leute nach der langen Pause irgendwie ausgehungert waren. Viele wollen wieder zusammenkommen.” Hier komme auch wieder das Thema seiner Diskussionsrunde beim FAQ Bregenzerwald ins Spiel: “Natürlich muss mehr auf Eigenverantwortung, vor allem bei den Gästen kultureller Veranstaltungen, gesetzt werden. Ich glaube, dass das der einzig richtige Weg ist.” Zu dieser Meinung komme er auch, weil zum Glück bei den bisherigen Veranstaltungen nichts passiert ist.

Auf die politischen Entscheidungen angesprochen, die wesentlich für die Durchführbarkeit von Events aller Art sind, meint Scheuba, dass ihm die Entwicklungen der letzten Monate natürlich auch Stoff für seine Auftritte geben. “Deswegen war es auch mir persönlich ein Anliegen, wieder auf die Bühne zurückzukehren. Zum Beispiel der Ibiza-Untersuchungsausschuss birgt viel Spannung, aber auch der kleine interne Machtkampf zwischen Bundeskanzler Sebastian Kurz und dem Gesundheitsminister.” Die Kulturbranche werde dadurch eben auch ein bisschen zum Spielball der Politik. Außerdem sei es unglaublich fahrlässig, eine Art Generationenkampf auszulösen, indem man in der Öffentlichkeit “vorsichtige Ältere” und “verantwortungslose Jugendliche” gegenüberstellt. Vielmehr sollte die gesamte Gesellschaft in Bezug auf weitere Entwicklungen immer wachsam bleiben.

 

Dieser Text erschien zuerst am 05.09.2020 in den Vorarlberger Nachrichten, wurde von mir geschrieben und ist weiterhin hier abrufbar.