Feldkirch „Jetzt hilft nur noch beten.“ Mit diesem Gedanken sind am Sonntagabend vielleicht einige Maturanten ins Bett gegangen, bevor heute um 8.30 Uhr die ersten Prüfungen starten. Fabian Jochum (33), Jugendseelsorger bei der Diözese Feldkirch, wollte dem entgegenwirken und lud daher kurzerhand zum virtuellen Maturasegen. Er wollte den Jugendlichen damit „zusätzliche Kraft für die Prüfungen spenden“.

Erlässe und Verordnungen

Weniger gebetet, sondern viel mehr organisiert wurde in den vergangenen Wochen an den Schulen des Landes, um die Richtlinien des Bildungsministeriums umzusetzen. Auch Christoph Prugger, Direktor am BG Feldkirch, hatte einiges zu tun: „Es war eine unglaublich intensive Zeit. Vieles lief außerhalb der Norm, es gab keine Routine und eine große Anzahl an Erlässen und Verordnungen.“

Ebendiese regeln unter anderem die genaue Durchführung und Beurteilung der diesjährigen Reifeprüfung. Einige Vorgaben sieht Prugger durchaus positiv: „Man könnte darüber nachdenken, manche Maßnahmen wie etwa das Einrechnen der Jahresnote, auch in den nächsten Jahren fortzuführen.“

Auch Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) hat sich dafür ausgesprochen, die neue Regelung beizubehalten. Immerhin gehe es bei der Matura um ein Zertifikat, das die Reife einer Person beurkunden soll und nicht um ein punktuelles Ergebnis, sagte er der „Presse“. Anders verhält es sich mit der Präsentation der vorwissenschaftlichen Arbeiten. Sie soll bleiben. Dass die Schüler heuer darauf verzichten mussten, sei schade, meint BG-Direktor Prugger. „Damit hätten sich ziemlich sicher noch einige Noten verbessert.“ Umso wichtiger hält er die nun startenden schriftlichen Klausuren: „Die Schüler haben es sich verdient, diese normal ablegen zu können.“

Gesunde Anspannung

Alles in allem fühlt sich der Direktor gerüstet. Bereits zum Start des Ergänzungsunterrichts seien die Lehrer und Schüler gut vorbereitet gewesen. Auch Katharina Mader (30), Klassenvorständin der 8B im BG Feldkirch, ist überzeugt, dass einer gelungenen Reifeprüfung nichts mehr im Weg stehen wird: „Ich glaube, dass meine Klasse gut gearbeitet hat und dass auch das Distance Learning einigermaßen funktioniert hat. Man spürt maximal ein bisschen gesunde Anspannung.“

Und wie geht es ihren Schülern aktuell? Die Rankweilerin Theresa Knoblechner (18) hat trotz der neuen Regelungen noch „großen Respekt vor der Prüfungssituation“. Das Distance Learning und der Ergänzungsunterricht hätten in manchen Fächern nämlich besser funktioniert als in anderen. Und für Stefan Salzmann (18) ist es aufgrund der veränderten Benotung deutlich entspannter: „Da ist man halt schon fix durch“, erzählt er von einer etwas geschrumpften Lern-Motivation. Dann hilft es vielleicht tatsächlich nur noch zu beten. Der Matura-Segen lässt grüßen.

 

Dieser Text erschien zuerst am 25.05.2020 in den Vorarlberger Nachrichten.