Bundesliga, Altach: “Wir sind im Abstiegskampf angekommen”

Altach Dass ein Fußballtrainer seine eigene Mannschaft vor laufenden Kameras heftig attackiert, passiert nicht alle Tage. Umso größer ist dann die Unruhe in einem Verein, wenn das doch einmal vorkommt. So wie am Samstag, als Altachs Trainer Alex Pastoor (54) nach dem katastrophalen SCRA-Auftritt gegen St. Pölten zum Rundumschlag ausholte und den Wunsch andeutete, all seine Spieler auszutauschen: „Lass mich das doch einmal überlegen.“ Er hatte die „Schnauze voll“.

Eine Vertrauens-Geschichte

Seitdem ist eine Woche vergangen. Eine Woche, in der laut Pastoor der Fokus wieder voll auf dem Auswärtsspiel in Ried – gegen die Oberösterreicher geht es heute ab 17 Uhr – lag. Dennoch habe er mit der Mannschaft über seine Aussagen gesprochen: „Es geht darum, dass die Geschäftsführung, das Präsidium, der Sportdirektor, die Betreuer und die Spieler alle in einem Boot sitzen. Und jeder macht Fehler.“ Er habe die Aussage nicht aus einer Emotion heraus getroffen: „Niemand hat mehr Vertrauen in diese Mannschaft als ich. Und dann bin ich auch der, der sagen darf, dass diese Mannschaft schlecht gespielt hat. Weil ich weiß, was sie normalerweise leisten kann.“

Auf mögliche Defizite in der Kaderzusammenstellung angesprochen – in der Startformation gegen St. Pölten waren vier ehemalige Zweitligakicker gestanden – nimmt Pastoor seine Spieler in Schutz: „Wir haben schon immer gesagt, dass wir sogenannte Potenzialspieler haben. Die können gute Leistungen abrufen und zeigen, sind aber keine Garantie dafür.“ Außerdem habe es zu Beginn der Saison auch schon besser funktioniert, dieses Vertrauen in die jungen Teammitglieder sei weiterhin vorhanden: „Die können nur gut spielen – und das gilt gleichzeitig für das gesamte Team – wenn sie als Mannschaft auftreten. Weil die können eigentlich kicken.“

 

Abstiegskampf pur

Was mittlerweile aber allen bewusst geworden sei, ist die bedrohliche Tabellensituation der Altacher: „Spätestens seit vergangener Woche ist es allen klar, dass wir gegen den Abstieg spielen. Dass wir zu den Abstiegskandidaten gehören“, bekräftigte Pastoor. Deswegen sei es umso wichtiger, endlich Tore und Punkte anzuschreiben: „Man kann nicht jedes Spiel gewinnen. Aber wir müssen wollen, wir brauchen die Mentalität auf dem Platz, dass es nur um Punkte geht.“

So bleibt noch die Frage nach einer möglichen taktischen Neuausrichtung offen, könnte für mehr Torerfolge doch auch eine stärker besetzte Offensive behilflich sein. Hierbei geht Pastoor aber nicht unbedingt ins Detail: „Es wird einige Veränderungen geben. Zum einen sind wir dazu gezwungen, weil Anderson verletzt und Edokpolor gesperrt ist und zum anderen wegen unserer eigenen Überlegungen.“

 

Dieser Text erschien zuerst am 12.12.2020 in den Vorarlberger Nachrichten und ist weiterhin hier abrufbar.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.