Bundesliga, Altach: Altach bleibt katastrophal

Altach „Das ist leider kein normaler Adventsonntag. Aber wir sind selbst schuld an dieser Situation“, war Altachs Geschäftsführer Christoph Längle am Tag nach St. Pölten merklich enttäuscht. Das ist verständlich, musste die Elf von Trainer Alex Pastoor nämlich nicht nur eine klare 0:4-Niederlage gegen die Niederösterreicher hinnehmen, sondern sich auch wieder die Frage nach dem skandalösen Auftritt – vor allem in Hälfte zwei – stellen.

Ziemlich schnell war am Samstag klar, dass alle Versuche in der Trainingswoche, ein erfolgreiches Konzept für das Heimspiel auf die Beine zu stellen, umsonst gewesen sein dürften. Der SCRA präsentierte sich ideenlos, langsam und über weite Strecken zu fehleranfällig.

 

367 Minuten ohne Torerfolg

Damit rutschen die Altacher ans Tabellenende ab, die Admira hatte gegen Red Bull Salzburg einen Überraschungssieg einfahren und damit die rote Laterne abgeben können. Gleichzeitig bedeutet die Heimniederlage auch das sechste sieglose Pflichtspiel in Folge, das letzte Mal ging die Pastoor-Elf am 24. Oktober gegen die Admira mit drei Punkten vom Platz. Und: seit 367 Spielminuten sind die Altacher jetzt schon ohne Torerfolg.

Danach schaute es in der ersten Phase des Spiels aber gar nicht unbedingt aus, speziell über den linken Flügel kam die Heimmannschaft immer wieder zu Torchancen. Umso schlechter organisiert präsentierte sich die Defensive – daran änderte auch die verletzungsbedingte Auswechslung von Anderson nichts (10.), wonach Emanuel Schreiner ins Mittelfeld gesetzt wurde und eine neue Dreierkette mit Berkay Dabanli auf der rechten Seite, David Bumberger in der Mitte und Nosa Edokpolor formiert wurde.

 

Früher Platzverweis

Als einen der spielentscheidenden Faktoren bezeichnete der niederländische Cheftrainer den frühen Platzverweis von Nosa Edokpolor (36.): „Danach hat sich niemand mehr getraut, etwas zu bewegen. Alle haben nur auf sich geschaut“, nahm Pastoor seine Mannschaft in die Kritik. Und auch wenn es mit einem Mann weniger auf dem Platz sicher „schwieriger“ sei, „hätte ich mir erwartet, dass wir voll drauf gehen und spielen, wie wir spielen können. Mit einer kompakten Defensive zum Beispiel, aber wir sind nicht als Mannschaft aufgetreten“.

Für Verwunderung sorgte außerdem seine Aussage nach Abpfiff bei Sky Sport Austria, wonach er die „Schnauze voll“ hätte und gerne die gesamte Mannschaft austauschen würde („Warum nicht?“). Christoph Längle wollte diese jedoch nicht allzu groß „aufbauschen, aber auch nicht runterspielen“: „Auch Alex war maßlos enttäuscht und dann kommt nach so einem Spiel natürlich die Emotion dazu. Er hat einfach relativ unpolitische Aussagen getroffen und wollte Klartext sprechen, vor allem weil die Arbeit in der vergangenen Woche in diesem frustrierenden Ergebnis endete.“

In eine ähnliche Kerbe schlug Vereinspräsident Peter Pfanner, denn „man kann natürlich nach so einem Spiel auch mal härtere Worte finden, auch als Trainer an seiner Mannschaft. Die Erwartungshaltung war ganz einfach auch eine vollkommen andere. Ich habe also kein großes Problem mit der Aussage im Interview, vielmehr mit der Leistung“.

 

Alex Pastoor bleibt

Dennoch sei das Vertrauen in den Trainer weiter vorhanden. Längle und Pfanner betonten beide, dass sich an deren Statements vor dem Spiel – wonach man an Trainer Alex Pastoor festhalte – inhaltlich nichts geändert hätte: „Wir müssen jetzt einen ruhigen Kopf bewahren, auch weil wir erst zehn von 32 Spieltagen hinter uns haben“, so Pfanner. Er erläuterte zudem, dass „wir jetzt analysieren müssen, was überhaupt das Thema ist. Ich möchte die Leistung nicht schönreden, aber der Trainer ist nur ein Mosaikstein des großen Ganzen. Fakt ist, dass uns Alex Pastoor zweimal aus einer problematischen Phase herausgeholt hat.“

Außerdem gebe es von Seiten des Präsidiums die Freigabe zur personellen Verstärkung im Winter, „aber wir müssen analysieren, was wir brauchen und was am Markt ist.“ Das sieht auch Längle so, auch wenn „wir keinen übertriebenen Aktionismus setzen werden. Zwei oder drei Spieler können auf verschiedenen Positionen sicher hilfreich sein.“ Jetzt gelte der Blick aber dem Ried-Auswärtsspiel am Samstag: „Die Mannschaft weiß, dass wir Ergebnisse brauchen.“

 

Dieser Text erschien zuerst am 07.12.2020 in den Vorarlberger Nachrichten und ist weiterhin hier abrufbar.

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