Bundesliga, Altach: 20 Minuten sind zu wenig

Trotz anfänglicher Dominanz: Altach muss zuhause gegen den WAC ein 1:2 hinnehmen.

Altach Kurz nach Abpfiff konnte sich Altach-Trainer Damir Canadi den Spielverlauf noch nicht erklären: „Zuerst haben wir die Führung erzielt, haben dann richtig Druck gemacht. Unerklärlicherweise lassen wir uns dann aber hinten reinfallen, das war nicht unser Spielplan.“ So wurde aus einem 1:0 ein 1:2 gegen den Wolfsberger AC.

Mit einer Fünferkette und den hoch stehenden Außenverteidigern Csaba Bukta und Nosa Edokpolor legten die Altacher die Partie an. Außerdem veränderte Canadi seine Mannschaft zweimal im Gegensatz zur Vorwoche: Für Samuel Mischitz lief eben Bukta rechts hinten auf und Offensiv-Mann Manuel Thurnwald stand an Stelle Sandi Krizmans auf dem Platz – jedoch überraschenderweise zentral im Mittelfeld.

Frühe Führung

Dieser taktische Dreh sollte anfangs aufgehen, weil die Heimmannschaft dominant auftrat und gefühlt jeder Ball den passenden Anspielpartner fand. Altach kombinierte sich geschickt nach vorne, etwa nach fünf Minuten: Die beiden Flügel traten in Aktion, Edokpolor von links durchgestochen auf Bukta, der hatte ein Auge für die Situation und sah Manuel Thurnwald hinter sich. Dessen Schuss fand über die Ferse von Atdhe Nuhiu den Weg in das Wolfsberger Tor, Schlussmann Alexander Kofler war chancenlos – 1:0.

Was Damir Canadi nach dem Match als „hinten reinfallen“ beschrieb, bedeute auf dem Spielfeld: Nach 15 Minuten gaben die Altacher ohne Not die Kontrolle ab. So währte die Freude über das Tor nur kurz, das bereitete Canadi Kopfzerbrechen: „Diese Passivität ist etwas, was uns ständig begleitet. Das kennen wir schon aus der Vergangenheit, wir reden auch immer wieder darüber. Wir fallen hinten rein und verteidigen dann einfach nicht mehr nach vorne.“ Das nutzten die Gäste aus Kärnten munter aus und kamen zu einigen Tormöglichkeiten – Tai Baribo wurde gefährlich von rechts (15.), ein Zuspiel in den Strafraum verpasste Eliel Peretz nur knapp (19.) und Thorsten Röcher (24.)/Peretz (30.) schossen am Altacher Tor vorbei.

Fußballwelt auf dem Kopf

Außerdem wurde die Elf um Kapitän Emanuel Schreiner nur knapp vor einem Strafstoß bewahrt (22.): Nachdem Röcher von Nosa Edokpolor umgenommen wurde, entschied sich Schiedsrichter Heiß gegen einen Pfiff, auch Video-Assistent Weinberger schritt nicht ein – hierfür hätte es eine glasklare Fehlentscheidung gebraucht. Das sah WAC-Trainer Robin Dutt anders: „Ich hatte den Eindruck, dass die Hand an der Schulter dran war. Die war ausschlaggebend, dass mein Spieler zu Fall kam.“

So hielt die Führung bis zur 43. Minute. Da führte Michael Liendl einen Freistoß für die Kärntner aus und bediente Baribo so perfekt, dass der nur noch einköpfelte musste. Mit dem Foul-Pfiff war Damir Canadi jedoch nicht einverstanden, er sah kein Vergehen eines Altachers: „Das war eine krasse Fehlentscheidung, der Herr Heiß hatte nicht seinen besten Tag.“ Und eine Minute später war die SCRA-Welt auf den Kopf gestellt: Thorsten Röcher alleinstehend schloss zum 1:2 ab, beim Zuspiel von Liendl hob Stefan Haudum das Abseits auf.

Umstellung half nicht

Diese Führung sollte über die gesamte zweite Hälfte bestehen bleiben, weil Altach harmlos blieb – ohne Zugriff auf Spiel und Gegner. Auch die Umstellung auf ein 3-4-3 trug keine Früchte. So blieb die Situation in der 69. Minute die einzige größere Altacher Chance auf den Ausgleich: Die Flanke von Dominik Reiter auf der rechten Seite landete perfekt bei Sandi Krizman im Strafraum, Christopher Wernitznig war ihm zu wenig hinderlich, doch WAC-Goalie Alexander Kofler war beim Kopfball zur Stelle.

Rückkehrer Boris Prokopic freute sich zwar, dass er ab der 59. Minute wieder auflaufen durfte („Es ist ein schönes Gefühl, wieder zuhause zu sein.“), aber das Spiel passte nicht zum Gefühl: „Wir haben gar nicht so schlecht gespielt, die ersten 25 Minuten waren sehr gut. Als wir das 2:0 verabsäumt haben, hat der Gegner seine Qualitäten gezeigt, dann haben wir den Anschluss verloren.“ So blieb es über weite Strecken leise in der Cashpoint-Arena, Sprechchöre brandeten nur noch auf, als der ehemalige Stammtorhüter Martin Kobras eingewechselt wurde, weil sich Schlussmann Tino Casali kurz vor Schluss (85.) verletzt hatte. WAC-Mann Cheikhou Dieng verletzte ihn mit den Stollen. Auch ein gezielter, aber geklärter Dabanli-Schuss (90./+4) konnte nicht über die Tatsache hinwegtäuschen, dass der WAC in der Schlussphase seine Führung hätte ausbauen können.

Aufgrund der Niederlage rutscht Altach auf Platz sieben der Tabelle ab, am 12. September geht es mit einem Heimspiel gegen Ried weiter. Dann muss mehr Konstanz her, 20 Minuten Dominanz sind zu wenig.

 

Dieser Text erschien zuerst am 29.08.2021 in den Vorarlberger Nachrichten und ist weiterhin hier abrufbar.

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