Eine Saison zwischen Höhenflügen und Enttäuschungen

Bereits im Dezember 2016 konnte man auf der Altacher Südtribüne Sätze wie “Nächstes Jahr spielen wir in der Champions League!” oder “Der Verein soll bereits die Meisterfeier planen!” vernehmen. Auch ich habe mir durchaus schon Gedanken über Europa League-Spiele im Schnabelholz gemacht. Nach dem 3:1-Heimsieg gegen den SK Rapid blieben 7200 Fans, im Gegensatz zu anderen Spieltagen, im Stadion stehen und feierten mit der Mannschaft die fulminante Herbstsaison und den damit verbundenen Winterkönig-Titel. Nur einen Monat zuvor war Damir Canadi neuer Trainer des österreichischen Rekordmeisters geworden. Trotz dieses Trainerwechsels erspielten sich die Vorarlberger, unter der Leitung von Interims-Trainer Werner Grabherr, 13 Punkte. Die Form passte.

#1-Foto1

Der neue Mann an der Seitenlinie, Martin Scherb – Foto: Jürgen Margreitter

Der neue Chefcoach an Bord

Mit dem neuen Jahr kam der neue Trainer – am 23. Dezember wurde Martin Scherb als Chefcoach vorgestellt. Der ehemalige Sky-Experte machte einen guten ersten Eindruck und stellte im Trainerteam kaum etwas um. Stefan Fuhrmann kam als einziger neuer Co-Trainer an die Seitenlinie hinzu, während Werner Grabherr, Sebastian Brandner und Martin Hämmerle ihre alten Rollen übernahmen. Die Erwartungen im ganzen Ländle waren gestiegen – ein fixes Ticket für die Europa League-Qualfikation schien Pflicht gewesen zu sein. Den ersten Rückschlag setzte es dann aber leider mit der unverdienten 1:2-Niederlage im Heimspiel gegen den damaligen neunten der Tabelle, den SKN St. Pölten. Auch danach ging es nicht unbedingt rosig weiter – über nurmehr zwei Siege in drei Monaten durften sich die Altacher freuen und am Ende reichte es “nur” für Platz 4. Doch was war passiert?

Viele schwerwiegende Ausfälle und Kaderumstellungen

Ganze neun Tore im Herbst erzielte der Publikumsliebling und die Leihgabe von Meister Red Bull Salzburg, Dimitri Oberlin, woraufhin er in der Winterpause zurück in die Mozartstadt berufen wurde. Zudem verletzte sich einer der wichtigsten Mittelfeldakteure, Boris Prokopic, an der Achillessehne. Diesen Ausfall konnte Altach leider nur schwer bewältigen. Weitere schwerwiegende Verletzungen folgten – mit Andreas Lukse, Benedikt Zech und Andreas Lienhart musste der Coach auf wichtige Spieler verzichten. Auch “der Mann für die Tore”, Hannes Aigner, konnte nach seiner langen, verletzungsbedingten Pause nicht seine erwartete Leistung abrufen. All das sind wichtige Punkte, welche auf keinen Fall vergessen werden sollten, wenn von einer schlechten Altacher Mannschaft gesprochen wird.

Auffallende taktische Fehler

Leider fielen oft Fehler im taktischen Bereich auf. Vor allem die Spiele gegen den SK Sturm (1:2 zuhause) und die SV Ried (0:2 zuhause) blieben mir dabei besonders in Erinnerung. Ich habe im Verlauf der gesamten Saison noch nie so eine lasche Abwehr spielen gesehen, was mich im Moment der Gegentore echt schockierte. Teilweise wurden, zuerst schön begonnene, Kombinationen gar nicht erst zu Ende gespielt und die Abwehrspieler erachteten es in manchen Offensivaktionen der Gegner gar nicht erst für notwendig, überhaupt zum Angriff hinzugehen. Hier kann man nur in wenigen Fällen dem Trainer die Schuld geben, obwohl dieser natürlich die Verantwortung für das Team trägt, sondern auch schwache Spieler müssen natürlich von der sportlichen Leitung gerügt werden.

#1-Foto2

Bald wird wieder ein Feuerwerk über dem Schnabelholz aufgehen – Foto: Jürgen Margreitter

Harsche Fan-Reaktionen

Vor allem in den letzten beiden Heimspielen gegen den SK Sturm und die SV Ried konnte man mit dem Abpfiff des Schiedsrichters harsche Worte von der Tribüne hören. “Scherb raus, eine Schande!” war da keine Seltenheit. Für meine Person war das eine unverständliche Reaktion. Dabei darf man vor allem nicht vergessen, dass der sympathische Niederösterreicher nur verlieren konnte. Es war von Anfang an klar, dass bei einer Verschlechterung in der Tabelle (was bei Platz eins nach dem Winter nicht unwahrscheinlich war) die Erwartungen mancher Fans unterboten werden könnten. Vor der Saison hätte man mit Sicherheit Platz vier sehr gerne akzeptiert – diese Erwartungen wurden aber durch eine überdurchschnittlich gute Herbstsaison nach oben geschraubt.

Wie geht es jetzt weiter?

Ich weiß, dass ich auch in der nächsten Saison den SCR Altach mit besten Kräften unterstützen werde. Ich glaube, dass die sportliche Leitung die Erwartungen nächste Saison eher wieder niedriger halten wird und dass mit Sicherheit ein neuer, kompetenter Trainer gefunden wird. Sollte Salzburg den Cup für sich entscheiden, spielt Altach am 29. Juni in der Europa League. Sogar im Schnabelholz. Ich werde dabei sein und werde mit einem guten Gefühl in diese Spiele gehen. Dem Ex-Trainer Martin Scherb wünsche ich vor allem für seine Zukunft alles Gute – bei Altach hat er nur wenige Fehler gemacht. Glaube ich. Was dann in der nächsten Saison folgt, weiß aber auch ich nicht.

 

 

1 Kommentar

  1. Roman

    Auch wenn ich mich mit Altach nicht auskenne, kann ich sagen: Cool geschrieben!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.